Grenzenlose Grenzwerte

Die gesetzlichen Grenzwerte und die Empfehlungen aus Wissenschaft, Politik und Interessensverbänden unterschei- den sich massiv - und zwar offenbar im Verhältnis zu den jeweiligen Kenntnissständen über die biologischen Wir- kungen von elektrischen und magnetischen Wechselfeldern, sowie Hochfrequenzfeldern.

Ob sich in den Grenzwerten auch die Hauptinteressen (Schutz der Bevölkerung oder der Industrie?) der verantwortlichen Gremien widerspiegeln, sei dahingestellt. Jedoch ist es wichtig zu wissen, dass z.B. die derzeit verwendete Mobilfunktechologie noch mit einem Bruchteil der derzeit verwendeten Sendeleistung ohne große Einschränkungen funktionieren würde (s. letzte Tabelle). Man könnte dann zwar nicht mehr in Tiefgaragen mobil telefonieren - aber ist dies denn wirklich nötig?

Bemerkenswert ist, dass die gesetzlichen Grenzwerte in denjenigen Ländern verhältnismäßig niedrig angesetzt sind, in denen umfangreiche - und vor allem unabhängige - Studien über die biologischen Wirkungen durchgeführt wurden. Beispielsweise liegen in Schweden aussagekräftige Untersuchungen über den Zusammenhang niederfrequen- ter magnetischer Wechselfelder mit der Leukämiequote bei Kindern vor. Dementsprechend wurden die Grenzwerte neu definiert, wie in der zweiten Tabelle zu sehen ist.

In Russland hingegen liegen seit langer Zeit (...insbesondere seit dem kalten Krieg...) umfangreiche Erfahrungswerte über die Wirkung von Hochfrequenzfeldern in verschiedensten Modulationen vor. Man beachte die dort gültigen Grenz- werte, welche um den Faktor 1000 und mehr unter den hierzulande definierten Werten liegen!

Die in Deutschland gültigen Grenzwerte bieten lediglich einen gewissen Schutz vor akuten Schädigungen. Im Hoch- frequenzbereich sind sie so definiert, dass nur unmittelbare thermische Wirkungen verhindert werden.

Athermische Wirkungen (Veränderung der Gehirnströme, etc., wie sie bereits bei einem Bruchteil der erlaubten Leistungen auftreten können) werden hier, im Gegensatz zu einigen osteuropäischen Staaten, überhaupt nicht berücksichtigt!

Daher ist es insbesondere in Ländern mit so industrie- freundlichen (und gleichzeitig lebensfeindlichen) Grenz- werten wichtig, sich selbst vor Folgeschäden zu schützen. Hierzu ist aber vor allem wichtig: Ruhe bewahren, die Situation analysieren und daraus resultierende Lösungen finden, um in einem ungefährlichen Bereich zu liegen. Vieles ist machbar, unlösbare Probleme gibt es selten.


Grenzwerte für elektrische Felder bei 50 Hz (in Volt/Meter)
<0,0001 V/m
Natur (Neizke, u.a.)
0,5 V/m
BUND für Ruhebereiche
0,7 V/m
Beschleunigung der Zellteilung bei Hefepilzen (Merron, Goodman, u.a.)
1 V/m
Resolution Bürgerforum Elektrosmog (Schlaf- bereiche)
1 V/m
Computernorm TCO (30 cm Abstand)
1 V/m
Baubiologische Empfehlung für den Schlaf- bereich
10 V/m
Empfehlung kritischer Wissenschaftler welt- weit
10 V/m
Resolution Bürgerforum Elektrosmog (Wach- bereich)
10 V/m
Bundesverband Elektrosmog (tagsüber)
10 V/m
Baubiologische Empfehlung für den Wach- bereich
10 V/m
TCO-Norm f. Computerarbeitsplätze, welt- weit größte Studie der US-Umweltbehörde EPA: Gesundheitsgefahr, Empfehlung US- Kongress (1996), Anstieg des Kinderleu- kämierisikos (Coghill 1996)
20 V/m
Empfehlung Ecolog-Institut, Hannover
20 V/m
Absenkung Hormon Melatonin (Wilson, Andersen, Stephen, u.a., 1990), oxidativer Stress, Bildung freier Radikale (Kula, Sobczak, u.a., 2002, Beeinflussung der Zell- Signal- übertragung (Adey u.a., 1976), Beeinflussung der Lymphozyten (Leyle, Ayotte, Sheppard, u.a., 1986)
25 V/m
Computernorm MPR (50 cm Bildschirm-Abstand)
25 V/m
Grenzwertvorschläge des Ausschusses für Umwelt, öffentliche Gesundheit und Verbraucherschutz im EU-Parlament
100 V/m
1996 vom NCRP als Maximalwert für Arbeitsplätze empfohlen; bisher nicht verabschiedet
5.000 V/mGrenzwert in Deutschland
10.000 V/m
Grenzwert der INIRC für "Arbeiter"
20.000 V/m
Grenzwerte der ACGIH für "Arbeiter"
25.000 V/m
Grenzwert der INIRC für "Arbeiter" für max. 2 Stunden


Grenzwerte für magnetische Wechselfelder bei 50 Hz (in nano-Tesla)
<0,0002 nT
Natur (Neitzke u.a.)
10 nT
Zukünftiger schwedischer SAGU-Grenzwert.
10 nT
Baubiologische Empfehlung für Schlafplätze.
50 nT
Baubiologische Empfehlung für den Wach- bereich
60 nT
Störung des Kalzium-Ionen-Austausches
70 nT
Störung der EEG-Funktion (Newi, Hamburger E-Werke 1993)
>100 nT
ECOLOG-Institut Hannover, Katalyse-Institut Köln f. Wohnbereiche, tagsüber. Suizidrisiko (internat. epidemiologische Studien), Embryo- nale Fehlbildung, neurochemische Verän- derungen (Becker, Philips, u.a.), Beeinflussung des Zellstoffwechsels (Li 1999, u.a.)
>110 nT
Kontinuierlich steigendes Krebsrisiko (Floderus, Karolinska-Institut 1999)
130 nT
13,5-fach mehr Kinderleukämie in den ersten zwei Jahren (Green 1999)
140 nT
Störung EKG-Funktion (Newi, Hamburger E-Werke 1993)
200 nT
Derzeitiger schwedischer Richtwert
200 nT
Zielwert in Italien
200 nT
TCO-Norm für Arbeitsplätze, DIN/VDE 0107 f. medizinische Diagnoseräume, EEG. Weltweit größte Studie der US-Umweltbehörde EPA: Gesundheitsgefahr. Empfehlung US-Kongress 1996, Krebs- und Hirntumorrisiko (internatio- nale epidemiologische Studien), Beschleu- nigung der Zellteilung von Hefepilzen (Goodman 1984)
200-300 nT
Erhöhtes Leukämierisiko f. Kinder, viele epidemiologische Studien
300 nT
Mehr Frühgeburten, Krebs bei Kindern (Wertheimer, Leeper 1976, u.a.)
200-400 nT
Erhöhtes Leukämie-, Krebs- und Tumorrisiko (Karolinska-Institut, u.a.)
300-400 nT
Potentielles Krebsrisiko, lt. WHO (IARC 2001)
150-500 nT
Expositionsabhängiger Anstieg von Tumoren (Hakasonvon 2002)
500 nT
Vorsorgegrenzwert in Italien, technische Störung an Röhrenbildschirmen
200-600 nT
Steigende Zunahme des Kinderleukämierisikos bis 80% (UCLA 1999)
200-1000 nT
Alzheimer und ALS 2- bis 7-fach erhöht (Savitz, Sobel, Feychting, u.a.)
1.000 nT
Schweizer Verordnung über den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung
<1.000 nT
Absenkung des Hormons Melatonin (Wilson 1990, Burch 1999, u.a.), Störung der Zell-Signalübertragung (Adey u.a. 1976)
2.000 nT
Chromosomenschäden, DNA-Brüche (diverse epidemiologische Studien)
2.500 nT
Oxidativer Stress, Bildung freier Radikale (Kula, Sobczak u.a. 2002)
10.000 nT
1996 vom NCRP als Maximalwert für Arbeitsplätze empfohlen; bisher nicht verabschiedet
100.000 nT
Grenzwert in Deutschland
500.000 nT
Empfehlung der INIRC für "Arbeiter" (ständiger Aufenthalt)
1.000.000 nT
Grenzwert der INIRC für "Privatpersonen" (täglicher Aufenthalt für wenige Stunden)
5.000.000 nT
Empfehlung der INIRC für "Arbeiter" (täglicher Aufenthalt für wenige Stunden)


Grenz- und Schwellenwerte für Hochfrequenzfelder (in Mikrowatt/Quadratmeter)
< 0,000001 µW/m²
Natürliche Mikrowellen-Hintergrund- strahlung, ungepulst (Neitzke)
~ 0,001 µW/m²
Funktion eines D-, E-Netz, UMTS-Handys noch gewährleistet!
0,01 µW/m²
Vorschlag der Bürgerinitiative UMTSNO für Wachbereich
0,1 µW/m²
Veränderte Kalzium-Abgabe mensch- licher Hirnzellen (Bahmeier)
1 µW/m²
Forderung Baubiologie für Schlaf- bereiche 2003
1 µW/m²
Vorsorgewert Salzburger Land (innen)
bis 10 µW/m²
Öko-Test-Bewertung als niedrige Belas- tung (4/2001)
10 µW/m²
Grenzwertempfehlung von Dr. L. von Klitzing für Mobilfunk (2001)
10 µW/m²
Vorsorgewert Salzburger Land (außen)
100 µW/m²
Öko-Test-Bewertung als hohe Belastung
100 µW/m²
Forderung Europäisches Parlament 2001
100 µW/m²
Grenzwertempfehlung Dr. N. Cherry, Lincoln-University Neuseeland
200 µW/m²
Störungen an der Zellmembran (Marinelli 1999)
400 µW/m²
DECT-Telefon in 10m Entfernung
500 µW/m²
Empfehlung des BUND 1997
660 µW/m²
Grenzwert Toskana/Italien für die Summe aller Anlagen (Martini 2002)
800 µW/m²
Calcium-Ionen-Veränderungen in der Zelle (Schwartz 1990 u.a.)
1.000 µW/m²
Im EEG nachweisbare Hirnstromver- änderungen (v. Klitzing 1994 u.a.)
1.600 µW/m²
Unfruchtbarkeit bei Mäusen nach 5 Generationen (Magras 1997)
1.600 µW/m²
Motorik- und Gedächtnisstörung bei Kindern (Kolodynski 1996)
2.000 µW/m²
Leukämie, Kinder von 2000 bis 80000 (Hocking 1996)
2.000 µW/m²
Grenzwert in Rußland ungepulst
10.000 µW/m²
DNA-Schäden (Phillips 1998, Verschave 1994, Lai 1996 u.a.)
10.000 µW/m²
Störung des Immunsystems bei Mäusen (Fesenko 1999)
10.000 µW/m²
Stimulation von T-Zellen und Makro- phagen (Novoselova 1999)
10.000 µW/m²
Öffnung der Blut-Hirn-Schranke (Salford 2003)
10.000 µW/m²
Feldstärke von GSM-Handys bei Salfords Experimenten: Kopfschmerzen, Schwin- del, Reizbarkeit, Müdigkeit, Entkräftung (Simonenko 1998)
13.000 µW/m²
Zunahme von Leukämien bei Erwach- senen (Dolk 1997)
20.000 µW/m²
Direkter Effekt auf Ionenkanäle von Zellen (D'Inzeo 1988)
24.000 µW/m²
Grenzwert Belgien/Wallonien (2001)
45.000 µW/m²
Schweiz für D-Netze 900 MHz; für Bereiche mit empfindlicher Nutzung
45.000 µW/m²
ECOLOG-Empfehlung von 1998
50.000-150.000 µW/m²
DECT-Telefon in 0,5m Entfernung
95.000 µW/m²
Schweiz für D-Netze 1800 MHz und darüber (UMTS); für Bereiche mit empfindlicher Nutzung
100.000 µW/m²
Grenzwert in Polen
160.000 µW/m²
Grenzwert in Italien
240.000 µW/m²
Grenzwert in der ehem. CSSR
2.000.000 µW/m²
Grenzwert in Neuseeland
4.500.000 µW/m²
Körpererwärmung bei Kleintieren um über 6°C (Adey, Myers u.a.)
4.500.000 µW/m²
Grenzwert in Deutschland (900 MHz)
6.000.000 µW/m²
Grenzwert USA/Kanada (900 MHz)
9.000.000 µW/m²
Grenzwert in Deutschland (1.800 MHz)
10.000.000 µW/m²
Grenzwert in Deutschland, UMTS (FDD) ab 1920 MHz bis 2200 MHz